Wassen, Performance-Train
Performance
Zusammenarbeit mit der Schule von Wassen im Rahmen des Austauschprogramms Viavai Contrabbando culturale Svizzera-Lombardia, ArTransit, 2014

Jeder kennt sie: Die Kirche in Wassen die man vom fahrenden Zug aus drei oder mehrmals sieht. Unterbrochen werden die Ansichten der Kirche jeweils durch die Fahrt durch die Kehrtunnel. Diese sequentielle Anlage schafft eine Analogie zu den Einzelbildern eines Films. Der wiederholte Anblick der Kirche und ihrer Umgebung, kann man sich als Einzelbilder eines Films vorstellen, die Strecke von einem Tunnel zum nächsten entspräche so der Dauer der Belichtungszeit des Einzelbildes, während das Dunkel in den Tunneln den Moment des Klappenverschlusses in der Filmkamera darstellt. Wenn man diesen Gedanken noch etwas weiterspinnt, referiert der Betrachterstand- punkt des Reisenden auf den des Kamerastandpunkts, die Retina auf das lichtempfindliche Filmmaterial auf dem sich die Einzelbilder abbilden und der Zug auf das Kameragehäuse, welches auf den Schienen (Dolly) dahingleitet.
Der Film setzt sich im Kopf zusammen. Landschaft zeigt sich so als Konstruktion.

Kinder aus Wassen inszenieren einen Filmtrick: Während der Reisende gespannt die Kirche von Wassen - umgeben von einer Art Filmset - ins Auge fasst, schiebt sich eine Gruppe von Kindern zwischen seinen Blick und die Kirche. Das Bild entzieht sich dem Reisenden wieder, da er im Tunnel verschwindet.
Diese Szene wiederholt sich zum Erstaunen des Reisenden dreimal. Nicht nur die Kirche, auch die gleiche Kindergruppe erscheint dreimal, denn in der Wahrnehmung des Reisenden sehen die Kinder gleich aus: gleiche Kleider, gleiche Frisuren, gleiche Grösse. Es ist, als ob die Kinder den Zug immer überholen und dann in der Bewegung eingefroren als Filmstill in Erscheinung treten.

Ungefähr zehn Jahre nachdem der erste Zug durch den Gotthardtunnel fuhr, erschien der Stummfilm der Gebrüder Lumiere Die Ankunft eines Zuges.

 

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