Leseprobe , 2016
Performance für vier Leser_innen

Vier Studierende der Schauspielklasse ringen mit der Textebene eines Scripts, welches sie während einer einstündigen Performance zu ersten Mal lesen, proben und wiederholen. Das Script stellt eine partiturähnliche Notation minutiös transkribierter und vielstimmiger Gesprächsfragmente dar.
Der komplexe Rekonstruktionsversuch der Gespräche spielt darauf an, um was es auch inhaltlich in diesen Textstücken geht, um die Gratwanderung zwischen sich konstituierenden Sinngebilden und deren Auseinanderfallen, ...dem Stocken, Wiederholen, sich verzetteln, zerfallen, dem Nicht-Sprechen-Können.
Miteingeschrieben in die Textebene ist das Moment des Übens. Variationen, reflektierende Zwischenbemerkungen, das Verhandeln organisatorischer Details oder die banale Frage „Wo sind wir?“ - eben all jene Dinge, die eine Probe charakterisieren – werden nun selbst als Variation der Wiederholung aufgeführt: Es handelt sich um eine Leseprobe der Leseprobe.
Die Dramaturgie spielt mit der Montage all dieser verschiedenen Ebenen. Sie legt falsche Fährten, will zu Sinnhaftigkeit verführen, um diese als bald wieder zu entziehen. Mit der Auführung erfährt die im Text eingeschriebene Übungssituation eine Verdoppelung, welche die Textebene auf nicht vorhersehbare Weise performativ erweitert.
Die Performance Leseprobe stellt das Üben als Form des Unvollendeten und Unzeigbaren auf der Bühne aus.